Bennigkeiten

1920: Bennigkeiten [während der franz. Verwaltung]
bulletLT, 1992: Benininkai
bulletRU, 1945: Benininkai; Bjanininkai
bulletLT, 1923: Benikaièiai

Ortsteil von Pogegen

Die Bildung des Kreises Pogegen im Jahre 1920 war eine Folge der Abtrennung des ostpreußischen Gebietes nördlich der Memel aufgrund des Friedensvertrages von Versailles. Über das politische Geschehen soll hier nicht noch einmal berichtet werden. Darüber kann in der "Kleinen Geschichte des Memellandes" nachgelesen werden.

Doch zunächst ein Blick zurück:

Vor mehr als tausend Jahren war in diesem südlichsten Teil des Memelgebiets der pruzzische Stamm der Schalauer ansässig, dessen Spuren noch heute in Familien- und Ortsnamen zu finden sind. Als der Deutsche Orden im Zuge seiner kriegerischen Christianisierung des Pruzzenlandes den Memelstrom erreicht hatte und die Memellinie mit Ordensfesten sicherte (als erste Ragnit 1276), war das Kreisgebiet eine dünn besiedelte Waldwildnis, von Mooren und Heiden durchsetzt. Da in diese "Wildnis", wie man das Gebiet nannte, deutsche Bauern nicht gerne siedeln wollten, begrüßte der Orden und später auch der Herzog bzw. König von Preußen, die ins Land kommenden litauischen Siedler, die ihre ursprüngliche Heimat Litauen aus den unterschiedlichsten Gründen verließen. Die ersten mögen aus dem noch heidnischen Litauen geflüchtet sein, nachdem sie zum christlichen Glauben übergetreten waren. Später kamen diejenigen, die als Protestanten ihre Heimat verließen, um sich vor den Verfolgungen der katholischen Kirche in Sicherheit zu bringen und schließlich flüchteten Litauer nach Preußen zu jener Zeit als Litauen Teil des russischen Reiches war, um der dort herrschenden Leibeigenschaft zu entgehen. Sie blieben ihrer litauischen Sprache und ihrem heimatlichen Brauchtum treu, fühlten sich aber voll und ganz als treue preußische Untertanen, die die deutsche Sprache als Zweitsprache gebrauchten. So ergab die Volkszählung von 1831, daß mehrere Dörfer ohne deutsche Einwohner waren und andere von überwiegend Litauischsprechenden bewohnt wurden.

Doch alle fühlten sich als Preußen und treue Untertanen des preußischen Königs. "Daß dieser Teil der Bevölkerung sich nach 1919 im memelländischen Volkstumskampf zu mehr als 80 % zum Deutschtum bekannten, ist eines der Wunder im Werden des ostpreußischen Neustammes" (H.A Kurschat).

Doch konnten sich die Siedler der vergangenen Jahrhunderte nicht friedlich fortentwickeln. Wie in den anderen Teilen des Memellandes, hinterließen Kriege Tod und Verwüstung. Litauer, Schweden und Russen fielen abwechselnd ins Land ein und brandschatzten es. Pest und Cholera, aus Rußland eingeschleppt, entvölkerten ganze Dörfer. Die während des l. Weltkrieges im Herbst 1914 eingedrungenen Russen hausten in barbarischer Weise und verschleppten bereits damals zahlreiche Zivilisten nach Sibirien. Eine spätere Bestandsaufnahme ergab, daß 2200 Personen des Kreises Pogegen verschleppt worden waren. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Memelstrom, der in Preußen nie eine Grenze war, plötzlich zu einer scharfen Grenzlinie, die mitten durch die alten preußischen Kreise schnitt. Um die danach entstandenen Probleme, die sich verwaltungsmäßig, schulisch, kirchlich und auf vielen anderen Gebieten durch die willkürliche Trennung ergaben, zu bewältigen, wurde das vom Deutschen Reich abgetrennte Memelland 1920 auf Anordnung der französischen Militärverwaltung in neue Verwaltungsbezirke aufgegliedert. Während die Kreise Memel-Stadt und Memel-Land ihre alten Kreisgrenzen behielten, verlor der Kreis Heydekrug kleinere Teile seines Gebietes südlich des Memelstromes. Neu gebildet wurde ein Kreis aus Teilen von vier alten Kreisen, deren Kreisorte alle südlich der Memel lagen. Zwei Drittel des neuen Kreises hatten bis zur Abtrennung zum Landkreis Tilsit gehört und ein Drittel etwa zum Kreis Ragnit. Vom Stadtkreis Tilsit wurde der auf dem nördlichen Memelufer gelegene Stadtteil Übermemel abgetrennt und vom Landkreis Niederung kam noch der Gutsbezirk Perwallkischken dazu. Dieser neu gebildete Kreis bekam seinen Namen von dem Ort Pogegen, der wegen seiner verkehrsmäßig günstigen Lage zum Kreisort bestimmt wurde. Alle Eisenbahnen und Steinstraßen liefen bei dem Tilsit gegenüberliegendem Dorf Pogegen zusammen. Hier gabelte sich nicht nur die von Tilsit kommende Eisenbahn nach Memel und Tauroggen, hier war auch die Endstation der Kleinbahnen von Laugßargen und Schmalleningken. Ferner teilte sich die aus Tilsit kommende Chaussee in Mikieten in drei wichtige Verkehrswege: nach links in Richtung Memel (über Pogegen), geradeaus nach Tauroggen und nach rechts ins südliche Memelland bis Schmalleningken und weiter nach Litauen hinein.

Der Kreis war ein langgestrecktes Gebilde von 60 km, das im Osten und Norden bis zur alten deutsch-russischen jetzt litauischen Grenze, im Süden bis an den Memelstrom und im Westen bis zur Grenze des Kreises Heydekrug reichte. Mit 93.900 ha umfaßte dieser neue Kreis 40 % des gesamten Memelgebietes. In ihm lag auch über die Hälfte aller memelländischen Waldungen. Außerdem hatte er eine ertragreichere Landwirtschaft als jeder der anderen Landkreise. Die Bewohner blieben weiterhin stark nach Tilsit orientiert, da der größte Teil des Gebietes zum sogenannten kleinen Grenzverkehr gehörte. Erster kommissarischer Landrat wurde zur Zeit der französischen Besatzung der Regierungsassessor Graf Hardenberg. Er stand vor einer schier unmöglichen Aufgabe. Das alte Pogegen war ein unscheinbares Dorf mit nur einer geringen Anzahl größerer, verstreut liegender Bauernhöfe und kleinerer Häuschen entlang dem Bach Upelis. Es hatte nur eine zwei-klassige Schule und einen Dorfkrug. Der Bahnhof und das Postamt lagen im Nachbardorf Bennigkeiten, obwohl die Bahnstation Pogegen hieß. Nachdem man sich für Pogegen als Kreisort entschieden hatte, wurden die beiden Dörfer zusammengelegt. Den fünf Landräten, die in der Zeit der Abtrennung amtierten, gelang es hier eine neue Verwaltung zu schaffen und die dazu passenden Räumlichkeiten zu finden. Für die Beamten, die bereits Graf Hardenberg aus Tilsit nach Pogegen abwerben konnte, mußten Beamtenwohnungen gebaut werden. Zu den Kreisbehörden kamen Bankfilialen und eine Sparkasse hinzu, eine landwirtschaftliche Realschule und ein litauisches Progymnasium wurden errichtet. Mit der Erschwerung des Grenzverkehrs nach Tilsit mußten auch Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden, so daß in der Bahnhofsgegend ein städtisch anmutendes Geschäftsviertel entstand, in dem sogar eine Apotheke und drei Drogerien zu finden waren. H. A. Kurschat verglich das rasche Aufblühen des Ortes mit einer Goldgräberstadt des "Wilden Westens", wo nach nur einigen Jahren 50 Handwerksbetriebe und neun Gastwirtschaften von der ständig wachsenden Bedeutung Pogegens zeugten. Zwei praktische Ärzte, drei Tierärzte und zwei Dentisten hatten sich ebenfalls niedergelassen. Der Kreisort konnte schließlich auch ein Lichtspielhaus und ein eigenes Elektrizitätswerk aufweisen. Eine Polizeistation mit mehreren Beamten und eine gut ausgerüstete Freiwillige Feuerwehr sorgten für die Sicherheit. Während der litauischen Besetzung wurde sogar eine Kaserne gebaut, in der zwei Kompanien der Taurogger Garnison stationiert wurden, deren Soldaten in der Öffentlichkeit aber nicht in Erscheinung traten.

So entstand aus zwei unscheinbaren kleinen Dörfern ein ansehnliches Verwaltungszentrum, zu dem 171 Gemeinden, 25 Privatgutsbezirke, vier Forstgutbezirke, 26 Amtsbezirke, 20 Standesamtsbezirke und 11 Kirchspiele gehörten. Im Jahre 1939 hatte Pogegen 3000 Einwohner. In den beiden ursprünglichen Dörfern, aus denen das neue Pogegen entstand, gab es bisher keine Kirche. Diese Dörfer gehörten zum Kirchspiel Tilsit-Land und die Bewohner wanderten auch noch bis 1932 vier Kilometer quer über die Wiesen zum Gottesdienst nach Tilsit. Die Grenzschwierigkeiten zwangen zum Bau einer kleinen Kirche, die ohne Turm 1933 errichtet wurde. 1938 erhielt sie einen Turm. Als am 22.März 1939 das Memelgebiet an das Deutsche Reich zurückgegeben wurde, verließ am gleichen Tag das litauische Militär Pogegen. Schon am nächsten Tag zogen deutsche Truppen über die Königin-Luise-Brücke in das Memelland ein. Damit wurde auch der Schlußstrich unter die Existenz des Kreises Pogegen gezogen. Er wurde aufgelöst und kam zum größten Teil zum Kreis Heydekrug. Der Ort Pogegen sank zurück in das geruhsame Dasein einer Landgemeinde.

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