Barby

Stadt an der Elbe, 11 km nordöstlich von Calbe. Der älteste Name (961) ist Barbogi, ferner Barbugeri, Barebui, Barebuye, Barboye, Barboie, Bareboi, Baruboye, Barebogi, Barboi, Barbey, Barbi, Barbe, Barbeye, Barbie, Barbeu, Barby, Barwy. Schon 961, als Otto I. den Zins der dort wohnenden Slaven dem Moritzstift schenkt, wird der Ort als Stadt und als Burgward bezeichnet. Von dieser ältesten Burg rühren wahrscheinlich noch die Fundamente her, auf denen die spätere, aber auch in eine frühe Zeit hinaufreichende Stadtmauer erbaut ist. Auch hat man mehrere Fuss unter dem gegenwärtigen Steinpflaster Pflasterstrecken und Fundamente von Gebäuden gefunden, welche beweisen, daß Barby beim ersten Entstehen mit starken Mauern versehen gewesen ist. Im Jahre 974 schenkt Otto II. unter anderen auch den Hof Barby dem Stift Quedlinburg und Otto III. wiederholt 999 diese Schenkung.

Mit dem Jahre 1064 erscheinen die Edlen von Barby mit Walther, welcher aus dem Hause Arnstein stammend sich zuerst nach der neuen Besitzung benannte. 1149 kommt ein Burchard von Barby vor, dessen Geschlecht seit dem Ende dieses Jahrhunderts nun ununterbrochen jenen Besitz hat. Einem anderen Burchard verdankt das Minoriten-(Franziskaner)Kloster (1264) seine Gründung. Im Laufe der Zeit erwarben die Edlen von Barby auch die Grafschaft Mühlingen und nannten sich nun "Grafen von Mühlingen und Edle von Barby". Um 1300 kam auch die Herrschaft Rosenburg mit den Ortschaften Groß- und Klein-Rosenburg, Breitenhagen, Rajoch, Patzetz und Dornbock hinzu und bald darauf das Amt Walter-Nienburg mit Flötz, Kämeritz, Groß-Lübs, dem Vorwerk Trebnitz, Tochheim und der Poley-Mühle. Auch Schönebeck (bis 1372) und die Ämter Egeln (bis 1430) und Wanzleben, wie die Herrschaft Zerbst (bis 1307) gehörten zeitweise den Edlen von Barby.

Lehnsherrin von Barby war die Äbtissin von Quedlinburg, seit 1356 waren die Kurfürsten von Sachsen Lehnsherren, welche 1359 von der Äbtissin förmlich belehnt wurden. Der letzte askanische Kurfürst von Sachsen Albrecht IV. hatte zwar die Lehen von Barby auf seine anhaltischen Verwandten übertragen, aber trotzdem gingen sie durch kaiserliche Belehnung auf die Wettinischen Kurfürsten über. Auch die Anwartschaft auf die Grafschaft nach dem Aussterben des Barby'schen Mannsstammes, welche Kurfürst Friedrich II. 1435 den Anhaltinern gegeben hatte, wurde vom Kurfürsten Johann I. auf Walter-Nienburg beschränkt. Die Geschichte der Edlen und Grafen von Barby hier zu verfolgen, würde zu weit führen, zumal da in derselben noch vieles unsicher und unaufgeklärt ist, nur die Hauptsachen sollen erwähnt werden.

Die Herrschaft Barby wurde auf Verwendung Burchards V. vom Kaiser Maximilian, bei welchem er in hohem Ansehen stand, durch Urkunde d. d. Insbruck, den 1. December 1497 zur Grafschaft erhoben. Von nun an nannten sich die Inhaber derselben Grafen von Barby und Mühlingen uns sassen auf den Reichstagen auf der westfälischen Bank. Unter Burchards V. Herrschaft wurde am 15. Mai 1505 der Grundstein zum jetzigen Stadtturm gelegt und das Hospital St. Georgii von ihm und seiner Gemahlin Magdalene, geborene Prinzessin von Mecklenburg, gegründet. Unter seinem Nachfolger Graf Wolfgang I., welcher als ein sehr verständiger Fürst gerühmt wird, wurde die Reformation mit Hülfe Nicolaus v. Amsdorfs in der Grafschaft eingeführt. Wolfgang war selbst mit Luther befreundet und außerdem war seine Gemahlin Agnes, mit welcher er dreizehn Söhne und sieben Töchter erzeugte, eine Mansfeldische Prinzessin; ihr muß ein besonderes Verdienst für die Einführung der Reformation in ihren Landen zugesprochen werden. Schon 1543 wird ein "zweiter" evangelischer Prediger genannt. Im Jahre 1552 wird Stadt und Schloß Barby von den Magdeburgern geplündert, aber als Entschädigung dafür die Summe von 14000 Thalern bezahlt.

Von den dreizehn Söhnen Wolfgangs führen gleichwohl nur zwei das Geschlecht fort. Der Grund hierfür liegt zum Teil darin, daß die Grafen jetzt vielfach in fremde Kriegsdienste gingen und meist jung ohne Erben starben. Wir finden sie in kaiserlichen, französischen, sächsischen, brandenburgischen, dänischen Diensten, am häufigsten in den Türkenkriegen; erst jüngst ist ein Leichenstein eines Grafen von Barby in Bari in Unter-Italien aufgefunden worden.

Die beiden succedierenden Söhne Wolfgangs I., Wolfgang II. und Jost, theilen auf einem Tage zu Torgau 1595 das väterliche Erbe in der Weise, daß Wolfgang Barby und Walter-Nienburg, Jost Rosenburg und Mühlingen erhält. Nachdem aber schon 1617 Wolfgangs Linie, trotzdem er vier Genahlinnen hatte, mit Wolfgang Friedrich ausstarb, kam die gesammte Grafschaft an die Rosenburgische Linie, welche aber auch nur noch auf zwei männliche Sprossen, Albrecht Friedrich und Jost Günther beruhte. Beide regierten nach erlangter Majorität 20 Jahre lang in schönster Eintracht. In ihre Zeit fällt der 30jährige Krieg, in welchen Barby zwar wegen seiner Verbindung mit Sachsen viel später als die umliegende Gegend hineingezogen, dann aber gleich dieser schwer heimgesucht wurde. Im Jahre 1632 wurde es auf wunderbare Weise gerettet. Nachdem nämlich Pappenheim Mühlingen geplündert hatte, rückte er gegen Barby vor; und schon war sein Vortrab nahe an die Stadt herangekommen, als man rings um die Stadt eine große Zahl Wachtfeuer erblickte. Daher glaubten die Feinde, eine große Besatzung läge in der Stadt, und zogen ab. Gleichwohl war Barby gänzlich unbesetzt. Wegen der Kriegsgefahren begab sich 1635 die gräfliche Familie zu ihren Verwandten nach Schwarzburg-Rudolstadt und blieb daselbst vier Jahre. Am 10. Januar 1636 wurde die Stadt nach fünfmaligem Sturme von Baner erobert und geplündert, der sächsische Oberst Mitzlaff mit 2 Regimentern gefangen.

Im Jahre 1641 theilten die Brüder ihre Länder wiederum: Albrecht Friedrich erhielt Rosenburg und Mühlingen, Jost Günther Barby und Walter-Nienburg. Von den beiden war jedoch nur der ältere Bruder Albrecht Friedrich und zwar mit Sophie Ursula, Tochter des Grafen Anton von Delmenhorst, verheiratet. Aus dieser Ehe gingen vier Töchter und ein Sohn, August Ludwig, hervor, welcher nach dem Tode seines Vaters (1641) und seines Oheims (1651) der einzige männliche Erbe war. Aber so sehr sich August Ludwig (geb. 1639) durch glänzende Geistesgaben auszeichnete, so schwächlich war sein Körper, so daß er trotz der größten Fürsorge bereits am 17. Oktober 1659 starb, ohne Erben zu hinterlassen. Nach seinem Tode zerfiel die Grafschaft Barby: Barby fiel an Kursachsen, und zwar an den zweiten Sohn des Kurfürsten Johann Georg I., an den Administrator August von Magdeburg, Walter-Nienburg kam an Anhalt-Zerbst als kursächsisches Lehen, Mühlingen ebenfalls, Rosenburg, welches Magdeburgisches Lehen war, an August, aus dessen Hand es zuerst in Privatbesitz des Freiherrn von Ende, dann (1681) an Brandenburg kam.

Unter der Herrschaft der Grafen aus dem sächsischen Kurhause hat sich Barby sehr wohl befunden. August zunächst stellte die durch den 30jährigen Krieg arg verwüstete Stadt wieder her. Er kaufte ferner das Eulenbeckische Gut und gab es als Leibgedinge seiner Gemahlin. Daher erhielt der Hof den Namen Augustusgabe, später hieß er kurz der Amtshof, als er zum Amte geschlagen war. Der böhmischen Exulanten nahm sich August sehr an und gab ihnen die Wüstung Wespen zur Ansiedlung. Diese hielten bis zur Vollendung ihrer Kirche ihren Gottesdienst in der Johanniskirche in Barby.

Auf August folgte sein zweiter Sohn Heinrich, welchem die Stadt hauptsächlich ihr Emporkommen zu danken hat. Er stiftete die Prediger-Witwen-Kasse, baute das Prediger-Witwen-Haus, ein neues Schulhaus; 1699 gründete er die Schützen-Compagnie, ließ die Grafschaft vermessen, die Stadt- und Dorfkirchen restaurieren, verbesserte das Schulwesen. Er ist ferner der Erbauer des noch bestehenden Schlosses, welches kaum vor 1715 fertig wurde. Auch ließ er in Barby eigene Münzen schlagen. Als Kriegsoberster focht er in den Türkenkriegen und zeichnete sich besonders vor Ofen aus. Nachdem er schon 1688 in Dessau zur reformierten Kirche übergetreten war, gründete er in Barby eine reformierte Gemeinde, welche bis 1833 bestand.

Mit seinem Sohne Georg Albert starb 1739 die Barbysche Linie aus und die Grafschaft fiel an Sachsen-Weissenfels. Nachdem auch diese Linie mit Johann Adolf II. 1746 ausgestorben war, kam Barby an Kursachsen, bei welchem es bis 1808 blieb. Die Verwaltung führte ein Justizamtmann, welcher in Barby seinen Sitz hatte. Im Jahre 1748 wurde das Schloß nebst den Amtsvorwerken den Herrenhutern verpachtet, welche auf dem Schlosse ein theologisches Seminar einrichteten. Dieses wurde später zu einer academischen Lehranstalt umgewandelt und hieß seit 1789 Pädogogium. Das Domänen-Amt, welches die Herrenhuter wieder abgegeben hatten, wurde mit den dazugehörigen Gütern und Vorwerken, Augustusgabe, Marstall, Kolphus, Monplaisier und Zeitz, 1802 an den Kammer-Commissionsrat Dietze verpachtet, dessen Nachkommen noch jetzt Pächter der nun königlichen Domäne sind. Wegen der Kriegsunruhen verlegten die Herrenhuter das Pädogogium 1808 nach Niesky bei Görlitz und zogen sich mehr und mehr nach dem neugegründeten Orte Gnadau. Der Aufenthalt der ordnungsliebenden, fleißigen Herrenhuter in Barby ist nicht ohne segensreichen Einfluß auf die Bewohner geblieben.

Durch die Wiener Congressacte vom 18. Mai 1815 wurde Barby preussisch. Die neue Regierung errichtete in der Stadt 1820 ein Hauptzollamt, welches aber schon 1829 wieder einging. Im Schlosse wurden 1853 ein Schullehrer-Seminar und wenige Jahre später die Provinzial-Blinden-Anstalt errichtet.

 

Aus: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Calbe, Halle a.d.S. 1885

Barby/Elbe, Stadt im Kr. Schönebeck, Bez. Magdeburg, DDR, unterhalb der Mündung der Saale in die Elbe, 53 m ü.M., (1987) 5700 Ew.; Elbhafen; Nährmittelwerke, Möbel-, Konserven-, Baustoffindustrie.

 

Aus: Brockhaus Enzyklopädie, 19. Auflage

Barby ist eine Stadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Bis zur Neubildung der Stadt am 1. Januar 2010 aus den Gemeinden der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Saale (außer Gnadau) hieß die Stadt Barby (Elbe).

 

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